Die Nordbahntrasse in Wuppertal

Von Wuppertal-Vohwinkel bis zum Tunnel Schee

An einem sonnigen Tag entschloss ich mich, eine Fahrradtour auf der Nordbahntrasse zu unternehmen – einem beeindruckenden Beispiel dafür, wie ausgediente Infrastruktur neues Leben erhält. Mein Startpunkt war der Bahnhof Vohwinkel im Westen Wuppertals. Von dort schlängelte sich der gut ausgebaute Radweg quer durch die Stadt bis hin zum Tunnel Schee – meinem eigentlichen Ziel und einem ganz besonderen Ort meiner Kindheit.

Die Trasse verläuft auf dem ehemaligen Bahndamm der Rheinischen Strecke. Früher fuhren hier Dampflokomotiven, deren kohleschwarzer Rauch unsere Kindheit mitprägte. Ich erinnere mich lebhaft daran, wie wir als Kinder versuchten, von den Brücken aus kleine Steine in die Schornsteine der Loks zu werfen. Das war natürlich mehr Spiel als Ziel, aber wenn uns eine Dampfwolke einhüllte, waren wir begeistert – ein selbstgemachtes Dampfbad mitten im Alltag. Für einen Moment waren wir unsichtbar, verschwunden im weißen Nebel, der alles verhüllte. Eine kleine Magie, die man nur als Kind wirklich begreifen kann.

Heute radelte ich genau dort entlang, wo einst die Züge ratterten. Die Strecke ist jetzt asphaltiert, gesäumt von Kunstwerken, Rastplätzen und Spielstationen. Es begegneten mir Jogger, Skater, Familien mit Kinderwagen – und natürlich viele Radfahrer. Die Strecke ist heute nicht nur ein Verkehrsweg, sondern ein Ort des Miteinanders, der Bewegung und der Begegnung geworden.

Je weiter ich mich nach Osten bewegte, desto mehr kehrten alte Erinnerungen zurück. Besonders, als ich schließlich den Tunnel Schee erreichte – ein Ort, der für mich einst eine Mischung aus Abenteuer, Angst und Stolz war. Der Tunnel besteht aus zwei Röhren: Während früher eine noch aktiv genutzt wurde, war die andere unverschlossen, unbeleuchtet und für uns Kinder ein magischer Ort. Ohne Taschenlampe krochen wir hinein – die Dunkelheit war vollkommen, die Geräusche unheimlich. Etwas flatterte durch die Luft, etwas huschte am Boden. Heute weiß ich, dass es Fledermäuse waren – damals war es einfach nur gruselig. Man trat in Pfützen, rutschte aus, fiel hin. Und wenn man wieder herauskam, war man zwar dreckig von Kopf bis Fuß – aber auch stolz, es durchgestanden zu haben. Die Standpauke zu Hause war sicher, aber sie verblasste gegenüber dem Gefühl, eine Mutprobe bestanden zu haben.

Heute ist der Tunnel schön ausgeleuchtet, sicher und mit informativen Tafeln ausgestattet. Die Luft ist kühl, aber angenehm. Und der Gedanke, dass dies früher unser wilder Spielplatz war, bringt mich zum Schmunzeln.

Die Ausblicke entlang der Trasse – besonders über das Tal meiner Geburtsstadt – sind eindrucksvoll. Und doch merke ich, dass mir der Bezug verloren gegangen ist. Vieles hat sich verändert. Orte, die ich einst wie meine eigene Westentasche kannte, erscheinen heute fremd. Und doch bleibt ein Gefühl von Stolz: Stolz darauf, dass meine Heimatstadt sich gewandelt hat, sich weiterentwickelt hat. Aus einer alten Bahnstrecke wurde ein lebendiger Ort für Sport, Kreativität und Begegnung geschaffen – und das ist mehr als nostalgische Erinnerung. Es ist ein Zeichen von Zukunft.

Die Rückfahrt war leicht bergab, der Fahrtwind angenehm – doch in meinem Kopf wirbelten viele alte Bilder. Die Nordbahntrasse ist für mich heute nicht nur ein Radweg, sondern eine Reise durch Raum und Zeit.

Infos im Überblick

Die Nordbahntrasse in Wuppertal ist ein rund 22 Kilometer langer Fuß-, Rad- und Inlineskaterweg, der auf der ehemaligen Trasse der Rheinischen Strecke und der Kohlenbahn angelegt wurde. Sie führt auf einer West-Ost-Achse entlang des nördlichen Hanges des Wuppertaler Stadtgebiets und bietet atemberaubende Ausblicke auf die Stadt und das Bergische Land.

Der Abschnitt von Vohwinkel bis zum Tunnel Schee ist etwa 22 Kilometer lang und besonders reizvoll. Die Strecke führt durch grüne Wälder, vorbei an idyllischen Bachläufen und über beeindruckende Viadukte.

Highlights:

  • Vohwinkeler Tunnel: Der längste der fünf Tunnel auf der Nordbahntrasse mit einer Länge von 703 Metern.
  • Briller Viadukt: Ein 270 Meter langes und 30 Meter hohes Viadukt, das die Wupper überspannt.
  • Mählersbachtal: Ein malerisches Tal mit einem Bachlauf und alten Bäumen.
  • Tunnel Schee: Der westliche Endpunkt der Nordbahntrasse, der in den Schee-Tunnel mündet.

Anreise:

  • Mit dem Zug: Der Bahnhof Vohwinkel ist der nächstgelegene Bahnhof zum Startpunkt der Strecke.
  • Mit dem Bus: Die Buslinien 612 und 622 halten in der Nähe des Startpunkts.
  • Mit dem Auto: Parkmöglichkeiten gibt es in der Nähe des Bahnhofs Vohwinkel.

Aktivitäten:

  • Wandern: Die Nordbahntrasse ist ein idealer Ort zum Wandern. Die Strecke ist gut ausgebaut und es gibt keine nennenswerten Steigungen.
  • Radfahren: Die Strecke ist auch für Radfahrer geeignet.
  • Inlineskaten: Inlineskater können die Strecke ebenfalls befahren.
  • Picknicken: An vielen Stellen entlang der Strecke gibt es schöne Plätze zum Picknicken.
  • Sightseeing: Von der Nordbahntrasse aus hat man einen atemberaubenden Blick auf die Stadt Wuppertal und das Bergische Land.

Einkehrmöglichkeiten:

  • Café Alte Kohlenbahn: Ein gemütliches Café in einem ehemaligen Bahnhofsgebäude.
  • Restaurant Zur Haltestelle: Ein Restaurant mit regionaler Küche.
  • Eiscafé Eiszeit: Ein Eiscafé mit einer großen Auswahl an Eissorten.

Tipp:

  • Die Nordbahntrasse ist besonders im Frühjahr und Sommer beliebt. An Wochenenden und Feiertagen kann es daher voll werden.
  • Tragen Sie bequeme Schuhe, da die Strecke teilweise uneben ist.

Weitere Informationen:

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